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Ein neuer Stern am Trailhimmel: UTLW 53 km/2700hm

Lange durfte man nicht warten als bekannt wurde, dass es einen Ultra Trail Lamer Winkel geben sollte. Denn Anfang des Jahres war der Lauf der auf 400 Teilnehmer limitiert wurde schon ausgebucht. Erstaunlich… doch der vor allem über das Trail Magazin und die sozialen Medien beworbene Lauf machte einfach neugierig. So war es nicht verwunderlich, dass der Ansturm auf den 53 km langen und mit 2700 Höhenmetern versehenen Lauf  enorm groß war.  Das Imagevideo versprach zudem auch noch einen Trailanteil von ca. 70 % . Ein Traum für jeden Trailrunner. Und wir sollten nicht enttäuscht werden.

Imagevideo der Ultra Trail Lamer Winkel

Ein großes Lob an die Veranstalter. Da hat einfach alles gepasst. Schon am Vortag war im Startgelände am Seepark in Arrach ein tolle Stimmung. Ein kurzweiliges Streckenbriefing bei der Pastaparty ließ erahnen was auf uns zukommen sollte. Das Orga-Team, selber aktive Läufer, wusste wie man so einen Lauf auf die Beine stellt. Ganz toll fand ich, wie die drei beteiligten Gemeinden Lam, Arrach und Lohberg mit Herz und Seele dabei waren. Was sollte da noch schief gehen.10619959_403149443203834_3928264393840207596_o

Am Start mit meinem Bruder Rupert, der am Ende 32. wird und 16 min vor mir ins Ziel kommt.

Am Start mit meinem Bruder Rupert, der am Ende 32. wird und 16 min vor mir ins Ziel kommt.

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Das Podium der M50, in der Mitte der überragende Sieger Armin Bernard

Samstag Früh um Acht war der Start. Einmal um den Seepark und dann gleich rauf auf den ersten Wiesentrail. Lustig, als der Startschuß fiel ging aber erstmal gar nichts. Die Musikkapelle blies uns den Marsch, bzw marschierte vor uns her, bis sie nach wenigen Metern das Läuferfeld Tempo aufnehmen ließen. Alles sehr entspannt. Nur einer stürmte gleich vornweg….der spätere Sieger Matthias Baur vom Team Salomon Deutschland. Ich dachte nur hoppla, wenn das nur gut geht. Nach knapp 2,5 km bog der Trail in einen Wald bergan. Ich hatte mir fest vorgenommen heute nach Puls zu laufen. Mehr als 160 sollte es nicht sein. Im Nachhinein betrachtet war selbst das zu hoch. Andere sollten es besser machen. Allen voran mein Altersklassenkollege Armin Bernard, der für mich die beste Leistung überhaupt des gesamten Teilnehmerfelds geboten hat. An der ersten Verpflegung nach knapp 9 km lag er noch auf dem 26. Platz. Im Ziel hatte er bis auf 6 junge Spitzenathleten alle eingefangen und war mit 5:23:10 h im Ziel. Unfassbar und das mit 52 Jahren! Respekt.

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Der Goldsteig, über 15 km geht es von Eck zum großen Arber auf krassen Trails

Nach wenigen Metern überhole ich Denis vom Trail Magazin. Er ist mit Stöcken unterwegs und schiebt sich im Gehschritt nach oben. Ich versuche zu laufen, was mir auch bis zur ersten Verpflegung ganz gut gelingt. Die Strecke ist wunderbar im Wald auf einem Handtuch breiten Trail über Stock und Stein. Bei der VP nehme ich ein Gel, trinke zwei Becher und weiter gehts in den Goldsteig. Ein Traum! Immer wieder wechseln sich steilere und flachere Abschnitte ab. Jetzt erst wird mir klar, dass das Wetter umgeschlagen hat. Es windet und Nebel zieht auf. Doch die Anstrengung über mehrere Gipfel dem großen Arber entgegen zu laufen, lässt mich die Kälte noch nicht spüren. Vielleicht war es etwas zu gewagt ärmellos an den Start zu gehen. So richtig fit fühlt es sich auch nicht an. Zwei kräftige Männer ziehen im Gehschritt mit ihren Stöcken an mir vorbei. Da wird mir erstmals klar, es könnte wieder mal brutal werden. Der Pfad wird zunehmend steiniger, nicht mehr flowig zu laufen. Teilweise ist klettern angesagt. Die Zwei sind im Nu nicht mehr zu sehen. Kein gutes Zeichen. Trotzdem geht es noch ordentlich vorwärts. Nur bergab läuft es gar nicht. Komme einfach nicht richtig in Tritt. Rauf zu großen Arber auf einer der wenigen Forststraßenabschnitte läuft Kerstin Erdmann an mir vorbei… richtig flott. Mitorganisatorin Maria Koller versucht zu folgen. Doch es ist aussichtslos. Auch sie kann vor allem bergauf das Tempo nicht halten. Bergab ist sie allerdings eine Bank. Das hat mir im Bayerischen Wald wieder mal meine Grenzen beim Trailen aufgezeigt. Für mich unfassbar hier so viel Zeit zu verlieren. Am Ende wird die Maria als dritte Frau knapp 5 Minuten vor mir im Ziel sein.

Die drei ersten Frauen und Männer...von links Kerstin Erdmann, Lukas Sörgel, Matthias Baur, Tina Fischl, Markus Mingo, Maria Koller... Bravo!

Die drei ersten Frauen und Männer…von links Kerstin Erdmann, Lukas Sörgel, Matthias Baur, Tina Fischl, Markus Mingo, Maria Koller… Bravo!

Endlich am Großen Arber angekommen bemerke ich zum ersten Mal die Kälte. Doch ich will nicht anhalten um mir meine Regenjacke überzuziehen. Das sollte sich aber nur wenige Meter später nicht mehr vermeiden lassen. Es schüttet wie aus Kübeln. Fast 5 Minuten Pause sind nötig um mich umzuziehen, so durch gefroren bin ich. Danach ist die Luft raus, zumindest bis zum nächsten Anstieg. Bei der dritten Verpflegung nach 35 km genehmige ich mir ein weiteres Gel, mehr brauche ich nicht. Hab doch genug eigene Sachen dabei. Jetzt kommt der härteste Abschnitt zuerst bergauf, dann relativ flach über das Zwercheck. Schwierig zu laufen, da es ziemlich verblockt an der Tschechischen Grenze entlang geht. Vor allem wenn man keine Kraft mehr hat. Doch auch das geht vorbei und irgendwann sind wir auf einer Forststraße…das ist heute mein Terrain. Endlich wieder vernünftig laufen. Was für eine Erholung. Allerdings sind 4 km schnell vorüber und es wird wieder steil. Und je näher es dem Osser geht auch wieder steinig. Mein Zeitziel die 6:15 h sind nicht mehr zu schaffen. Doch ich kämpfe weiter. Sehr rutschig sind die Steine über den Gipfel, an einer Kletterstelle komme ich im ersten Versuch gar nicht hoch. Verrückt. 6 km vor dem Ziel ist das Schwerste geschafft. Hatte ich geglaubt! Doch dann kam der Holy Trail… Wahnsinn, mitten durch die Büsche ein richtiges Highlight. Prompt stoße ich mir den Knöchel an einem Felsen. Schon ist es wieder vorbei mit dem Flow. Aua… ein Schild mit der Aufschrift “Frohe Weihnacht” setzt dem ganzen die Krone auf. Tatsächlich laufen wir an einem geschmückten Tannenbaum vorbei. Wie schön. Es geht nur noch runter; im Affenzahn. Vor und hinter mir niemand zu sehen. Dennoch gebe ich alles, da mir ja bekannt ist wie schnell doch viele Trailer in der Lage sind bergab zu fliegen. Scheinbar sind aber alle Schnellen schon vor mir und so werde ich bis ins Ziel auf herrlichen Wiesenwegen nicht mehr überholt. Der Zieleinlauf auf dem roten Teppich in Lam ist sehr stimmungsvoll. Viele Zuschauer feuern mich an. Das entschädigt auf jeden Fall dafür, dass heute nicht wirklich mein Tag war. Auch das reichhaltige Zielbuffet mit Kuchen und allem was man sich als erschöpfter Sportler nur wünschen kann, erfreut mein Gemüt.  Damit verbringe ich die Wartezeit bis zum Zieleinlauf meiner Freundin Samia, die sich für den Osser Riesen angemeldet hatte. Die 13 km Strecke von Lohberg auf den Osser und hinab zum Ziel in Lam hatte es als Anfängerstrecke wirklich in sich, zumal die Nässe den Lauf nicht leichter gemacht hat. Trotzdem konnte ich sie begeistert am Ziel empfangen.   Video vom Lauf bei der Mittelbayerische.tv

Fazit: Der UTLW ist ein Rennen mit dem Zeug zum Kultlauf. Die Organisation ist kaum besser zu machen.  Ich würde mir allerdings einen Termin im Herbst wünschen.Erstens ist dann oft das stabilere Wetter. Was aber noch mehr wiegt ist, dass der Bayerische Wald gerade dann sein schönstes Kleid überzieht. Vielleicht könnte man die Ergebnisse etwas früher aushängen. Letztendlich hab ich erst kurz vor der Siegerehrung um 19 Uhr erfahren, dass ich es doch noch aufs Treppchen geschafft habe.

 

2 Gedanken zu „Ein neuer Stern am Trailhimmel: UTLW 53 km/2700hm“

  1. Man liest echt nur Gutes über den UTLW…geniales Event!

    Glückwunsch zum Finish Hans und zur super Platzierung.
    Nächstes Jahr bin ich auch am Start!

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