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Sierre – Zinal, 31 km Kult in den Schweizer Bergen…

Schon zum 41. Mal fand im Wallis der Berglauf Sierre  – Zinal über 31 km statt. 2200 Höhenmeter gilt es bergauf zu überwinden. Allerdings geht es auch runter…ganze 800 Höhenmeter, wobei sich davon 500 hm im Downhill auf den letzten drei Kilometer konzentrieren. Die Faszination dieses Rennens liegt aber eindeutig auf dem Trail im oberen leicht welligen Teil der Strecke. Immer taleinwärts mit Blick auf die fünf 4000er. Doch dafür bleibt kaum Zeit, da einem der Kurs alles abverlangt. Man läuft am Limit…zum Einen weil die Läufer im Tal auf 585 m starten und dann gleich mal 1300 Höhenmeter innerhalb von 7 km hinaufgeschickt werden. Da bist du mit der Nase am Berg, so steil ist es. Und eng… denn mehr 1200 Läufer starten gemeinsam. Schon nach zwei Kilometer wird beginnt der schmale Bergtrail. Wer nicht da nicht gleich von Beginn an alles gibt steht im Stau. Diese Wartezeit kann nicht mehr aufgeholt werden. Ich stand nur kurz, doch schon war ich wieder zwanzig Plätze weiter hinten. Keine Chance den Anschluss wieder herzustellen. Schneller geht es auch nach der kurzen Ruhe nicht. Doch irgendwann ist man dann oben in Ponchette auf 1890 m…es wird flacher und schneller. Doch von hinten kommen immer neue Läufer, versuche mitzuhalten. Dann endlich Chandolin. Die erste Zwischenzeit. Ich bin total schockiert. Eine Minute langsamer als letztes Jahr und damals ging es mir nicht gut. War es bei der Jubiläumsausgabe schon schlimm, diesmal ahnte ich das Desaster. Und tatsächlich nach genau zwei Stunden von einem Moment auf den Anderen wird mir schlecht. Ich bleibe sofort stehen. Was war das? Will weiterlaufen. Doch die Beine mögen nicht mehr. Die Muskeln versagen ihren Dienst. Ich gehe, denn zur nächsten Verpflegung sind es nur ein paar Meter. Trinke zwei Becher Boullion. Vielleicht fehlt ja auch nur Salz.  auch danach ist an Laufen nicht zu denken. Für mich eine völlig neue Situation. Was soll ich tun? Aufgeben. Ja ganz sicher. Denn für mich ist das Rennen definitiv zu Ende. Dabei hatte ich mir so viel vorgenommen. Ein Platz unter den besten Fünf meiner AK war das Ziel. Doch die sind inzwischen weit weg.  Das Wetter ist so schön warm…ich entschließe mich zu wandern. Sind ja nur noch 15 km bis zum Ziel. Endlich kann ich mir die Landschaft um mich herum, die schneebedeckten Berge am Talende ansehen und erstaunlicherweise sogar genießen. Ab und an geht auch ein leichtes Jogging. Wenn da nur nicht die vielen Läufer wären, die ständig an mir vorbei wollen. Am Ende werden es 350 Teilnehmer sein, denen ich Platz gemacht habe. Ebenfalls eine Erfahrung die mir neu war. Sei es drum…ich bin nach 4:20 h am Ziel angekommen und durfte meine Finishermedaille die diesmal das 4505 m hohe Weisshorn ziert in Empfang nehmen. Meine Freude hielt sich in Grenzen und doch war ich froh, nicht mit den Bus ins Ziel gefahren zu sein.

Derweil war von den Siegern nichts mehr zu sehen. Längst geduscht Siegerinteviews gegeben  und vermutlich schon gemütlich im Hotelbett ausgeruht. Natürlich bin ich neugierig wer wohl gewonnen hat. Der Kilian Jornet hats zum dritten Mal geschafft. Nicht in Rekordzeit zwar; doch was zählt ist der Sieg. Denn schaffte bei den Damen die Steve Kremer nach jeweils zweiten Plätzen in den vergangenen zwei Jahren. Endlich. Dahinter viele internationale Spitzenläufer…mehr oder weniger zufrieden. Denn auch hier haben sich Dramen abgespielt. Der dreifache Gewinner aus Italien Marco de Gasperi abgeschlagen als 70. oder nicht weit davor Tom Owens bei der Skyrunning WM noch Dritter.  Gut schlugen sich die Deutschen Läufer im Spitzenfeld. Allen voran Stefan Paternoster, der zwar für Österreich startet. Aber gleich bei mir um die Ecke im schönen Andechs wohnt. Auch er war nicht ganz zufrieden. Denn ihm liegen mehr die steilen Abschnitte bergauf. Doch als 17. im Gesamteinlauf konnte er mehr als zufrieden sein. 5 – 10 min sind allerdings mit etwas Erfahrung schon noch drin. Denn Sierre Zinal ist ein Lauf bei dem vor allem Eins zählt und das ist die Tücken der Strecke zu kennen. So konnte ich in den 80er Jahren auch erst im dritten Anlauf meine beste Zeit erreichen. So gesehen besteht auch für den jungen 20jährigen Mirco Berner noch Aussicht auf ein besseres Ergebnis als den 27. Rang in 2:51:45 h mit dem er selber überhaupt nicht klar kam. Hatte er sich doch eine Zeit um 2:45 h vorgenommen. Was durchaus realistisch war, nach seinen Topergebnissen im Vorfeld. Obs jetzt ein leichter Infekt war oder dass er sich noch nicht mit der wirklich schweren Strecke anfreunden konnte wird sich in den nächsten Jahren herausstellen. Einzig Florian Reichert, einen Platz dahinter, konnte zufrieden sein und sich mit einem gleichmäßigen Lauf in den Top 30 behaupten.

Bleibt abschließend festzustellen, dass Sierre – Zinal auch weiterhin der Berglauf mit der wohl größten Faszination bleiben wird. Und auch die nächsten Jahre mit einem Weltklassefeld zu rechnen ist. Aus deutscher Sicht wäre ein etwas größeres Starterfeld zu wünschen. Denn nach wie vor ist es nur ein kleines Grüppchen das den Weg in Wallis findet. Ich bin definitiv nächstes Jahr wieder dabei!

 

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