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Hard – härter – Silvretta Run 3000

Schon im vergangenen Jahr war ich in Ischgl am Start. Beim Silvretta Run 3000. Damals allerdings auf der Medium Distanz. Angeboten werden drei Strecken. Small, Medium und Hard. Diesmal also die Hardline. 43,5 km mit etwas mehr als 1800 Höhenmeter. Dabei ist das fast 3000 m hohe Kronenjoch zu überwinden. Es sollte mein siebter Bergmarathon innerhalb vier Wochen werden.  Allzu spritzig fühle ich mich nach den vergangenen Strapazen nicht mehr. Und gerade deshalb fällt die Wahl auf die lange Strecke.

Kronenjoch 3000 m

Kronenjoch 3000 m

 

Gebirgsbäche

Gebirgsbäche

Ausdauer sollte genug vorhanden sein.  Will gemütlich starten. Auf Klassensieg ausgehen. Der Vorjahressieger aus Graz ist ebenfalls am Start. Auf ihn will ich meine Aufmerksamkeit richten.  Die Anreise am Vortag verläuft relativ ruhig. Wir schaffen es rechtzeitig zur Pastaparty… die Musik dort ist fürchterlich lauft. Dann lieber draußen essen. Verpasse das Streckenbriefing. Macht nichts, die Verhältnisse sind optimal. Selbst auf großen Höhen sind warme Temperaturen zu erwarten. Endlich mal wieder ein Lauf ohne diesen lästigen Rucksack. Es gibt genügend Verpflegungsstellen, so dass ich sogar überlege auf eine Trinkflasche zu verzichten. In letzter Sekunde ändere ich meinen Plan. Die zu erwartende Hitze vor allem im letzten Teil des Kurses lassen mich vorsichtig sein. Das sollte sich auch als klug erweisen. Doch zuerst der Start. Samstag früh 8 Uhr am Silvrettaplatz in Ischgl. Es ist noch angenehm kühl. Es sind mehr Starter wie  in den ersten beiden Austragungen. Das lässt hoffen, dass sich dieser Event genauso etabliert wie der Ischgler Ironbike, bei dem jedes Jahr mehr als tausend Teilnehmer am Start sind. So viele sind es noch nicht. Ich schätze so 250 Läufer werden es wohl sein. Erstaunlich viele Frauen.  Obwohl der Lauf auf beiden Strecken über schwierige Gebirgspfade, Schneefelder und reißende Gletscherbäche führt.  Irgendwie beschleicht mich ein komisches Gefühl, als wäre ich nicht richtig erholt. Genau so ist es. Schon nach dem Startschuss wird mir klar, dass es hart werden würde. Kann dem Tempo  der führenden Frau nicht folgen. Das gelang mir im Vorjahr noch ganz easy. Tja, aber meinem Konkurrenten in der Klasse U60 geht es nicht anders. Steil bergauf führen die ersten drei Kilometer bis zur Mittelstation Fimbabahn. Hier schon die erste Verpflegung.  Ich lasse sie freundlich grüßend links liegen. Von hier geht es fast flach bis zur Bodenalpe ( 1830 m ). Dann weiter leicht ansteigend  bis zur Heidelberger Hütte ( 2250 m ).

von der Heidelberger Hütte

von der Heidelberger Hütte

Auf dem Weg dahin laufe ich auf einen Ungar auf. Als ich mit ihm über das schöne Panorama plaudere, passiert es. Ich liege das erste Mal auf der Nase. Meine Hand blutet. Mist immer wieder passiert mir das. Diesmal schon auf einem Wirtschaftsweg. Einfach einen Stein übersehen. Doch was soll es…Blut ablecken und weiter. Nach 14 km dann die Hütte. Hier trennen sich die Hard und die Mediumstrecke, die mit 29 km doch beträchtlich kürzer ist und über das 2800 m hohe Ritzenjoch ins Lareintal zum Ziel nach Galtür führt.  Ich nehme mir ein Gel und biege in den wunderschönen Bergtrail ab. Gleich werde ich von einem Schweizer in grünem Trikot überholt. Puhh, der ist gut drauf. Ich kämpfe. Doch laufen ist auch bei mir noch möglich. Hinter mir pirscht sich der Patrick aus Südtirol heran. Ein kräftiger Berglaufer den ich noch vom Transalpin Run 2011 kenne. Will ihn nicht näher kommen lassen, was mir auch gelingt. Immer steiler wird der Berg. Und es gibt kaum noch einen Weg zu erkennen. Dann schon die ersten Schneefelder. Weich und tief, doch es gibt Spuren an denen Orientierung und Grip möglich ist. Endlich das Kronenjoch. Wunderbarer Blick auf die umliegenden Gipfel. Doch ich will weiter. Steil abwärts führt der Pfad. Rutschig und sandig. Später wieder Schneefelder. Das macht Spaß, wie ein Skifahrer stürze ich mich hinunter.  Und doch scheine ich Zeit zu verlieren. Hab ich vorhin noch die Kati Zipser vor mir gesehen ist sie nun aus meinem Blick entschwunden. Von hinten kommt der Patrick. Bahnt sich schnell seinen Weg an mir vorbei. Jetzt merke ich, dass ich einfach verschlafen habe. Kann ihm folgen und jage jetzt merklich schneller den Pfad zur Jamtalhütte

Zur Jamtalhütte runter

Zur Jamtalhütte runter

hinunter.  Genau drei Stunden sind seit dem Start vergangen und es sind gerade mal 24 km gelaufen. Doch von hier beginnt wieder eine Forststraße. Mein Terrain. Das Tempo wird höher… die nächste halbe Stunde meist zwischen 4:15 und 4:30 min/km. Dann wird es flacher und heißer! Fast ist der Talgrund erreicht und es hat fast 30 Grad, in der Sonne sicher mehr. Das Ziel ist ganz nah. Doch wir biegen bei 35 km in die entgegengesetzte Richtung ab, müssen auf der anderen Talseite noch eine  Runde drehen. Immer bergauf bergab. Die Sonne brennt jetzt richtig rein. Unter mir sehe ich den Harald Herbst aus meiner Klasse. Wie weit wird er zurück sein. Ich schätze zwei drei Minuten. Puh, das wir eng. Ich muss gehen. Keine Kraft mehr bergauf. Doch das Stück ist kurz. Vor mir der Läufer mit dem grünen Shirt. Ihm geht es noch schlimmer. Bringt kaum noch seine Beine in Bewegung.. Wohl etwas zu viel Gas gegeben bergauf. Kurz vor der letzten Verpflegung zwei Kilometer vor dem Ziel nochmal ein Anstieg auf dem heißen Asphalt. Ich gehe wieder, in Panik ob ich noch eingefangen werde. Doch den Anderen geht es nicht besser. Jetzt noch über ein wunderschönes Wiesenstück. Ein leichter Wind bringt etwas Kühlung.  Noch eine Kurve – nur gut dass ich gestern noch das letzte Stück besichtigt habe – und ich bin im Ziel. 4:34:55 h. Das war Hard.  Der Harald kommt fünf Minuten später. Er konnte also auch nicht mehr schneller. Ich freue mich über meinen Sieg.

Siegerehrung

Siegerehrung

Als siebter Mann. Bin überglücklich. Die Zielverpflegung lässt keine Wünsche offen. Jetzt noch eine kühle Dusche und der Tag endet perfekt. Überraschend für mich, dass es tatsächlich geklappt hat, nach den enttäuschend verlaufenen 4Trails nochmal ein gutes Ergebnis herauszulaufen.  Jetzt nehme ich mir aber vor, erstmal zu relaxen und bis zum Skyrace Sierre Zinal am 10. August auf jegliche Wettbewerbe zu verzichten.  Erwähnenswert vielleicht noch, dass die Veranstalter 5 Euro des Startgelds eines jeden Teilnehmers Wings of Life, der Stiftung für Rückenmarksforschung spenden.

2014-07-19is_result_hard-gesamt

Mein Lauf auf GPS

Video von 2013

2 Gedanken zu „Hard – härter – Silvretta Run 3000“

  1. Von einem Podest zum nächsten.
    Hans, du bist der Wahnsinn!
    Glückwunsch zu dieser grandiosen Leistung und jetzt gute Regeneration für SZ.
    Ich tippe mal, dass man dich dort wieder auf dem Treppchen sehen wird…ich drücke dir die Daumen!

    Viele Grüße aus dem Berchtesgadener Land

    Steve

  2. Vielen Dank Steve…ob es bei Sierre Zinal mit dem Podium was wird ist fraglich… ist es doch ein Skyrace bei dem Teilnehmer aus der ganzen Welt vertreten sind… 🙂 Denke da nur an den Mexikaner Mejia… ich freue mich jedenfalls schon wieder sehr auf den Lauf… grandios! Hans

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