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Der Wahnsinn hat einen Namen….4Trails!!!

Die  4Trails sind wirklich ein außergewöhnlicher Wettbewerb. 4 Tage lang Marathonstrecken mit beträchtlichen Höhenmetern durch die Berge zu rennen ist eben nicht wirklich gewöhnlich. Dass trotzdem mehr als 400 Teilnehmer für dieses verrückte Unterfangen gemeldet haben, spricht demnach Bände.  Ein Rennen für außergewöhnliche Menschen. 

Los gings am Dienstag Abend in Garmisch mit einer feierlichen Eröffnungsfeier.  Die Spannung ist groß. Doch zuerst noch Fußball schauen…sensationelle Vorstellung der Deutschen. Mit dieser Euphorie gehts ins Bett, das ich diesmal irgendwo in einem Hinterhof finde. Hauptsache trocken. Denn es regnet die ganze Nacht hindurch. Nachdem dann auch die letzten Hupkonzerte ein Ende gefunden habe, schlafe ich wie ein Stein.10401502_782462665118873_2956240450821446303_n

Mittwoch 10 Uhr gehts los. Mit großem Getöse werden wir auf den Trail geschickt. 37 km mit 5 Steigungen, die einem immer wieder den Rhythmus stören.  Insgeheim habe ich mir heute viel vorgenommen. Meine einzige Chance ins Leadertrikot zu laufen. Denn mit Beat Bieri aus der Schweiz und Armin Bernard aus Rosenheim hatte ich schon zwei Konkurrenten in der Startliste ausgemacht, die ich eigentlich nicht schlagen konnte. Beide 5 Jahre jünger als ich und in letzter Zeit recht erfolgreich. Trotzdem wollte ich meine einzige Chance nützen und legte gleich am ersten Berg zum Drehmöserwald ein ordentliches Tempo vor. Kurz vor mir Bieri. Beim Trail zur Längenfelder Talstation überholte ich ihn. In diesem High gings wie von selbst nach oben. Der supersteile Trail nach Hammersbach runter war dann auch wie für mich gemacht. Sehr technisch. Das kann ich. Und so war ich unten schon unter den besten 20 Läufern.  Nach 25 km dann der Schock. Armin überholte mich am Übergang nach Österreich. Meine Kraft war zu Ende und auch die Motivation. Denn ich konnte nicht dran bleiben. Im Ziel sollte er mir innerhalb der letzten 11 km noch 15 Minuten abnehmen. Am Ende holte mich auch Beat wieder ein. Schritt für Schritt lief auch er noch wenige Minuten heraus. Mit einem Einbruch am ersten Tag begann das Rennen also nicht wirklich befriedigend.  Trotzdem sollte ich als Dritter mit auf dem Podium vertreten sein. Und auch die Zeit war ok. Immerhin  15 min schneller als vor zwei Jahren.

Der zweite Tag sollte mein Bester werden. Nach einer wunderbar erholsamen Nacht gings von Ehrwald nach Imst. Leider wieder nicht die Originalroute über die Grünsteinscharte. War bei dieser Witterung einfach zu gefährlich.  Nun mir sollte es recht sein, so musste ich ca 500 Hm weniger laufen. 39 km mit 2300 hm im Aufstieg und 2500 m hinunter sollten auch so reichen. Von Anfang an lief es mir gut. Nur zwischendrin musste ich etwas beißen. Der Aufstieg zum Haiminger Kreuz könnte man durchaus als Qual bezeichnen. Doch im Schlußabschnitt, vor allem über die Forststraße zum Ziel lief es wieder super. Dieser Abschnitt brachte mich auf den 22. Gesamtrang. Da war die Freude im Ziel natürlich groß. Mit ein Grund dafür war sicher auch, dass dieser Tag der schönste der ganzen Tour war und es meist ziemlich trocken war. Was natürlich auch angenehme Temperaturen mit sich brachte.glücklich

Und so war die Vorfreude auf die dritte Etappe natürlich riesig. Denn an meine letzte Teilnahme hatte ich wunderbare Erinnerungen. Einmal rauf und dann wieder runter. Fertig. Leider sollte es anders kommen als gewünscht. Dauerregen und Kälte ließen alle Träume platzen. Obwohl ich mit Regenjacke unterwegs war fror ich schon beim Aufstieg. Und schon bei den ersten leichten Bergabstücken zur Glanderspitze merkte ich, dass mein altes Leiden. Eine Verspannung im Rücken mich wie mit einem Messer malträtierte. Ein vernünftiges Bergablaufen war nicht mehr möglich. Immer wieder musste ich stehen bleiben. Ganz schlimm wurde es dann im steilen Abstieg nach Landeck. Reihenweise liefen meine Konkurrenten an mir vorbei. Frust pur. Als dann auch noch der Finne Kari Nurmi an mir vorbei raste, da sah ich schon meine Felle davon schwimmen. Ich überlegt fieberhaft was ich tun könnte. Da blieb ich stehen und zog meine Regenjacke aus. Diese Zeit musste ich mir einfach nehmen. Auch wenn dadurch noch mehr Sekunden verloren gingen. Und prompt ging es gleich besser. Das Problem ist dass mein nasses Shirt von der Jacke direkt an den Rücken geklebt wurde und so der Muskel immer mehr verkrampfte. Sobald dieser Druck weg war, war es zu ertragen. In diesem Moment konnte ich wieder Gas geben und mit voller Kraft stob ich dem Finnen hinterher. Meine Freundin wartet heute das erste Mal im Ziel, da konnte ich doch nicht Vierter werden. Und siehe da, schon nach wenigen Hundert Metern sah ich ihn schon. Er sah sich kurz um und bemerkte mich, da forciert er gleich noch mehr.  Denn auch er wusste, dass er ums Podium kämpft. Nun kam wieder ein etwas technischer Teil und da hatte er keine Chance. Bis zum Ziel sollten es noch fast eineinhalb Minuten Vorsprung werden.

Der zweitschönste Moment auf der dritten Etappe

Der zweitschönste Moment auf der dritten Etappe

Zeit die mir am letzten Tag noch sehr hilfreich sein sollte. Obwohl die Freude groß war, es doch noch aufs Podium zu schaffen, war ich schon traurig, dass dieser Tag so verlaufen war. Denn für den letzten Tag schwante mir nichts Gutes.

Tatsächlich ließ sich die Sonne auch auf der Königsetappe nicht blicken. Wolkenverhangen die Gipfel und Hänge über mir. Der Rückenmuskel meckerte schon am Start. Willst du dir das wirklich antun? Ok, wie sagen die Österreicher. Aufgeben tut man einen Brief bei der Post. Und so war klar, das Finishertrikot

So sieht es auch das gute Stück... we run for a T-Shirt!

So sieht es auch das gute Stück… we run for a T-Shirt!

musste her. Und möglichst auch das Podium in der Seniormaster Klasse. Zumindest in der Gesamtwertung. Fast 20 min Vorsprung sollten eigentlich zu verwalten sein. Doch es sollte eine verdammt enge Kiste werden. Schon im Aufstieg zum ersten Übergang dem Fisser Joch war der Kari dran. Beat und Armin schon längst weit vor mir. Dann der Downhill zur Kölner Hütte. Für mich ein Desaster. Wunderschöner Trail und mir blieb nichts anderes übrig als immer wieder stehen zu bleiben und bücken um dem Schmerz ein wenig Einhalt zu gebieten. Wie schnell sind da 20 Minuten verloren. Mein T-Shirt war nass…also ausziehen. Regenjacke an. Doch auch das brachte keine Linderung. Also das Trikot wieder an. Schmerz. Erst als ich es hochrollte und quasi als Top nützte, da gab es Erleichterung. Nur gut dass es danach bald wieder aufwärts ging. Da dehnt die Lunge den Muskel und der Schmerz verschwindet. Doch bergab verlorene Zeit hinauf wieder herauszuholen, ist ein unmögliches Unterfangen. Zäh verlief der Kampf zum höchsten Punkt der ganzen Tour. Die Ochsenscharte mit 2787 Metern. Hier waren noch einige Schneefelder zu überwinden. Für Verwunderung hat hier immer wieder gesorgt, dass ich bauchfrei unterwegs war. Doch wie sollte ich das jemand erklären. Und dann nur noch 16 km zum Ziel. Doch wieder das gleiche Spiel. Teilweise schrie ich vor Schmerz und Wut, nur so dahin zu schleichen. Kurz vor der letzten Verpflegung kamen dann wieder Läufer von hinten. Darunter auch die Führende der Master Damen. Die Eva war wohl völlig schockiert, als sie mich schreien hörte.  Ihr Hinweis, dass es ab jetzt nur noch flach dahin gegen würde, weckte in mir den Kämpfer. Ab jetzt wollte ich keine Zeit mehr verlieren. Wie weit der Finne nun schon vor mir war, wusste zwar nicht. Doch ich glaubte daran, mit einem schnellen Finish wieder Zeit gut zu machen. Es war ganz wunderbar zu spüren, ohne Schmerz zu laufen. Und so wurde der letzte Abschnitt auch der der mir erstens den dritten Gesamtplatz rettete und vor allem das Teilstück mit meiner besten Platzierung im Gesamtfeld innerhalb der ganzen 4 Tage. Denn von der letzten Zeitnahme bis zum Ziel waren nur 15 Läufer schneller als ich.

Endlich in Samnaun!

Endlich in Samnaun!

Im Ziel dann schon die Ansage, dass es knapp werden würde für mich. Kaum zu glauben, letztlich waren doch noch 2 1/2 Minuten Vorsprung übrig geblieben. Meine Erleichterung dieses Ziel doch noch erreicht zu haben, war natürlich riesengroß.

Siegerehrung Gesamtwertung 4Trails

Siegerehrung Gesamtwertung 4Trails

Fazit. Die 4Trails sind schon eine ziemlich harte Geschichte. Vor allem sich jeden Morgen neu zu motivieren. Die harten Muskeln dazu zu bewegen wieder an den Start zu gehen und eine Marathondistanz über alle Berge in Angriff zu nehmen. Das erfordert schon sehr viel Härte zu sich selbst. Nur die Aussicht auf wunderbare Trails und das Glücksgefühl im Ziel lässt es zu,  das alles auf sich nehmen. Wer sich mal wirklich schinden will, dem empfehle ich, es einmal zu probieren. Mir hat besonders, die perfekte Organisation gefallen die es ermöglicht sich voll und ganz aufs Laufen zu konzentrieren.

Ergebnisse gibts hier: Ergebnisse 4 Trails 2014

 

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